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Authentisch äthiopisch essen im Abyssinia

Abyssinia Küche

Gemeinsam mit einer Freundin entschied ich, beim Äthiopier in München Mittag zu essen. Als wir an einem Samstag kurz nach zwei Uhr das Restaurant betraten, begrüßte uns am Eingang eine herzliche Afrikanerin und schickte uns mit der Erklärung, sie eröffne erst in einer Stunde, wieder hinaus. Verwundert, weil nach unserer Information das Restaurant geöffnet haben sollte, suchten wir vor der Tür nach Alternativen. Plötzlich öffnete sich hinter uns die Tür und freundlich bat uns die Frau von eben herein und schlug vor, uns bereits etwas zu kochen, während sie das Restaurant zu Öffnung vorbereite. Wow, das war lieb! Bereitwillig nahmen wir die nette Geste an.

Freundliche Beratung und afrikanische Einrichtung

Wir wählten einen Tisch in einer Ecke, während die Frau einen Flachbildfernseher mit einem Programm einschaltete, das ein Bild eines Pavillons an einem sonnigen Strand mit Loungemusik und Gitarrenklängen unterspielte. Das rasende Treiben der Hauptstraße verstummte hinter der verglasten Eingangstüre und dem Fenster. Wir ließen uns bei der Wahl unserer Gerichte von der einseitigen einlaminierten Speisekarte von der herzlichen afrikanischen Frau beraten. Sie empfahl uns, welche von den äthiopischen Spezialitäten zu kosten, ich entschied mich für Dorowat, also Hühnerfleisch, Ei und Frischkäse in einer würzigen Soße, das äthiopische Nationalgericht, und meine Begleitung wählte die Spezialität des Hauses, das heißt Lammfleisch mit Brokkoli, Kartoffeln und Karotten. Dazu bestellten wir zwei äthiopische Schwarztees.
Die Frau begann hinter einem Tresen im selben Raum zu kochen, in dem wir saßen. Wären wir aufgestanden, hätten wir ihr zusehen können. Die untere Hälfte des Speisesaals war mit einem Schilfrohrzaun verkleidet. An der oberen Hälfte der Wände hingen geflochtene, in schwarzen, roten und grünen Mustern bemalte Körbe, dazwischen zwei gestickte Bilder afrikanischer Mütter mit einem Kind. Wir bekamen die Schwarztees und eine afrikanisch gemusterte Zuckerdose aus Ton an den Tisch gestellt. Der Schwarztee war lecker, schien sich aber nicht merklich vom gewöhnlichen europäischen Schwarztee zu unterscheiden.

Dorowat und die Spezialität des Hauses auf Injera

Wand mit Binsenkörben Dorowat und Spezialität des Hauses

Bald waren die Gerichte fertig gekocht. Die Afrikanerin brachte zuerst zwei große Teller mit einer Art dünnem Pfannkuchen darauf an den Tisch und ließ dann unsere Speisen in schwarzen Schüsseln folgen. Sie erklärte uns, dass man in Äthiopien mit den Fingern esse, man löffele sich eine Portion der Speise aus der Schüssel auf den Pfannkuchen, reiße ein Stück des Pfannkuchens um die Portion herum ab und falte das Paar - und hier machte sie mit ihrer Hand eine Bewegung, bei der sie den Mittelfinger und den Daumen in der Luft zusammenführte - zu eine Tasche, auf dass man beides so zum Mund führe und vertilge. Wenn wir möchten, brächte sie uns allerdings auch Besteck, bot sie an. Gerne wollten wir ausprobieren, mit den Fingern zu essen, wir gingen zur Toilette und wuschen die Hände. Als wir zurück waren, begannen wir damit, jeweils eine erste Portion auf unsere Pfannkuchen zu löffeln und eine Tasche zu falten. Das war ziemlich leicht und machte Freude. Der Teigfladen schmeckte auch wie ein Pfannkuchen. Die würzige Soße meines Dorowat war scharf, enthielt viele Zwiebelstücke und ähnelte einer deutschen Gulaschsoße. Das Ei lag ganz und gekocht in der Soße, das Hühnerfleisch wurde an einem Stück gereicht und befand sich noch an den Knochen. Beides war frisch und lecker. Das Lammfleisch, der Brokkoli, die Kartoffeln und die Karotten der Spezialität des Hauses schwammen in einer geschmacksneutralen Suppe. Das Lammfleisch war in kleine Fetzchen geschnitten, sodass man es gut portionieren konnte und schmeckte zart. Auch hier waren das Fleisch und das Gemüse frisch. Die Größe der Portion war jeweils auf den Pfannkuchen abgestimmt, wodurch die Teller sich zeitgleich mit den Schüsseln leerten.

Bonus-Tee

Die gutmütige Frau erschien an unserem Tisch und fragte, ob uns ihr Essen geschmeckt habe, was wir bejahten. Dann verriet sie uns ein Geheimnis, von dem sie meinte, wir sollen es nicht weit herumerzählen. Dem vertrauten Kreis der Menschen, die diesen Artikel lesen, möchte ihre Botschaft dennoch anvertrauen: die Leute, die zum ersten Mal bei ihr speisen, bekommen einen äthiopischen Schwarztee geschenkt. Vermutlich möchte sie sich vorbehalten, nur ihr sympathischen Menschen einen Schwarztee zu schenken, oder sich zumindest nicht verpflichten, jedem neuen Kunden einen schenken zu müssen. Daher meine Bitte an alle diesen Artikel Lesenden: bestehen Sie nicht auf den Schwarztee, lassen Sie sich lieber überraschen und genießen Sie Ihr Mahl ohne Erwartungen an diesen Bonus. Wir zwei jedenfalls ließen uns den jeweils zweiten afrikanischen Schwarztee schmecken und nutzten die angenehme afrikanische Umgebung und die Ruhe in der Begleitung entspannter Loungemusik zu weiteren Gesprächen, ehe wir uns erhoben, bei der freundlichen Frau am Tresen bezahlten und unter wechselseitigen Verabschiedungen das Restaurant verließen.

Fazit

Das Mittagessen im Abyssinia war ein Erlebnis. Das ganze Restaurant ist authentisch äthiopisch eingerichtet und entführt aus dem Alltag in eine entspannte Atmosphäre. Besonders positiv fiel die Freundlichkeit der Bedienung auf, die sich bequemte uns außerhalb der Öffnungszeiten zu bekochen, mit einem Lächeln im Gesicht uns bei der Auswahl beriet und uns endlich einen Schwarztee schenkte. Die Zutaten des Dorowat und der Spezialität des Hauses waren nicht ungewöhnlich, allerdings frisch und lecker und besonders das authentische Esserlebnis bezauberte. Eine absolute Empfehlung für alle, die offen sind Neues zu entdecken! Gerne wieder.



restaurant-teff.de
Unsere Bewertung: 5 von 5 Sternen

(22.04.2026, Jonas)

Übersicht: alle getesteten Geschäfte und Restaurants

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